Sonntag, 17. Februar 2019

Diesel-Krise? Nicht mit uns!

Zu meinen liebsten Verkehrsmitteln gehört der Tretroller. Er vereint alle Vorzüge des Fahrrades mit der Nonchalance des Flaneurs; laut Straßenverkehrsordnung handelt es sich bei einem Tretroller um ein Kinderspielzeug, dessen Einsatz auf Bürgersteigen ausdrücklich zulässig ist. Jede Kleidung ist willkommen, das Tempo angenehm bescheiden - und doch im Großstadtmix auf vielen Strecken dem Auto ebenbürtig. Im Stau stand ich mit einem Tretroller noch nie. 
Psychologisch basiert der Reiz des Rollerns sicher auch auf den allerersten Kindheitserinnerungen; man war noch zu klein fürs Rad mit Stützrädern, erlebte darum stehend seinen ersten Geschwindigkeitsrausch und eroberte die Sackgassen des Wohnviertels. Wer auf einem Roller steht, verjüngt sich gleichsam, wird selber wieder zum Dreikäsehoch. 
Stichwort Stehen: Wer lieber rumsteht als rumsitzt, ist auf dem Tretroller besser aufgehoben als auf einem Fahrrad. Und wie titelte der „Stern" vor einigen Jahren? „Sitzen ist das neue Rauchen" - da haben wir‘s. Tretroller rules.
Selbstfahrende Autos faszinieren mich persönlich ähnlich wenig wie Elektromobilität - mein Herz gehört einer anderen Interpretation des Wortes „Fortschritt", nämlich der buchstäblichen. 
Ich persönlich habe Roller verschiedener Fabrikate im Einsatz, wobei Tschechien eine besonders prominente Rolle unter den Herstellernationen spielt: „Mibo" und „Kostka" heißen zwei Firmen, die ausgefeilte Roller herstellen, mit denen ich beste Erfahrungen auch auf Langstrecken gesammelt habe (Langstrecke heisst bei mir: über 100 km, etwa meine Standardroute von Osnabrück zu meinen Eltern nach Oldenburg). Der bemerkenswerteste Hersteller ist sicher dieser hier: 
Amischroller
...und soeben fällt mir auf, dass ich mit meinem Strohhut durchaus zu den Amisch passen würde. Jetzt fehlt mir nur noch ein Ohm-Krüger-Bart, um mich erfolgreich mit den Amischen verwechseln lassen zu können. Ich habe mal welche kennen gelernt, vor einem Jahrzehnt auf der „Queen Mary". Zwei Paare, die auf dem Schiff den Atlantik überquerten. Hintergrund: Sie stellten Kachelöfen her, die auch in Europa vertrieben werden. Quasi eine Dienstreise. Miteinander parlierten sie in einem spannenden Mix aus Englisch und einem Dialekt, der dem Pfälzischen ähnlich klang. „Jetzt gehn mir uff de Stubb" hieß es, wenn sie im Speisesaal zuende gefrühstückt hatten.

Draußen zwitschern euphorisch die Kleiber, Bachstelzen, Wiedehopfe. Blaues Band. Lenzluft. Raus mit uns, Frühlingsträume träumen. 



Kommentare:

  1. Sehr schön be- und geschrieben.

    Hätte ich noch keinen wäre mein Interesse am Roller geweckt :-)

    Grüße aus Berlin,
    Eric

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  2. Vielen Dank für Ihren schönen Bericht, Gruß aus Flensburg von Amischroller.de! ich lasse ihnen auf Wunsch einen zukommen! Gruß Matthias Koch

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