Mittwoch, 13. Februar 2019

Nie wieder Rücken


Ich bin begeisterter „Tragepapa". Stundenlang transportiere ich Theodor vor meinem Bauch; mittlerweile habe ich Erfahrungen mit allen gängigen Modellen gesammelt, Limas Baby, Baby Björn, Manduca. 
Einerseits leuchtet es mir ein, dass sich der Mensch aufgrund seiner Entwicklungsgeschichte als Tragling am Körper seiner Artgenossen geborgener fühlt als im Kinderwagen. Andererseits folge ich auch einem trainingskonzeptuellen Kalkül: Theo wog bei der Geburt dreieinhalb Kilogramm, jetzt über acht. Bei steigendem Gewicht und gleichzeitig immer länger werdenden Tragzeiten müsste meine Rumpfmuskulatur durch diese Schlepperei auf Jean-Claude-van-Dammesche Ausmasse anwachsen. Und Rückenmuskeln, so habe ich gelernt, schützen vor Schmerz. 
Vor meinem ersten Marathon war ich durchaus anfällig: Alle paar Monate zwickte da irgendwas, ich „kriegte Zug", hatte „mich verhoben", was man eben so sagt, wenn‘s wehtut. Dann wohnte ich im Allgäu, und durch Skilanglauf war die Sache schnell passé (Laufen alleine reicht nach meiner Erfahrung nicht aus). Wie sich Rückenschmerzen anfühlen, habe ich seither völlig vergessen. 
Tauglich als Rückenstärkung sind auch: Schwimmen, Boxen, „Nordic Skating" (also Inline Skating mit Stöcken) und Kajakfahren. 
Aber man muss ja gar nicht extra Sport treiben, um seinen Rücken zu pflegen; Heben, Wuchten, Tragen kann man auch im Alltag. Einkaufswagen nehme ich nur beim großen Wochenendeinkauf, ansonsten bevorzuge ich Körbe. Koffer mit Rollen lehne ich aus religiösen Gründen ab. Neben Theodor schleppe ich gerne große Rucksäcke mit allerhand Inventar durch die Gegend: Bücher, Lebensmittel, Wackersteine. 
Bodenwischen ist nicht nur rückenfreundlich, sondern macht auch die Wohnung schön! Überhaupt, Vierfüsslerstand: Ich freue mich bereits darauf, meinem jüngsten Nachwuchs als Reittier zur Verfügung zu stehen, so wie auch schon meine inzwischen erwachsenen Zwillingssöhne Cyprian und Leander auf mir geritten sind. 
Ideal ist auch Schaufeln. Ich liebe es, Schnee von A nach B zu schippen, aber es geht natürlich auch mit Erde. Wichtig: Die Schaufel nicht einseitig bedienen, sondern regelmäßig zwischen rechts und links wechseln. Ist koordinativ gegebenenfalls gar nicht so leicht; probiert’s mal aus!

Vom Schaufeln ausgehend kann man dann einen Schritt weitergehen und Bauen. Etwa einen Iglu. Oder gleich ein richtiges Haus - der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Als Mann soll man ein Kind zeugen, einen Baum pflanzen, ein Haus bauen - alles drei Aktivitäten, die den Rücken fordern, sofern man‘s nicht deligiert oder motorisiert. Fahrstühle, Rolltreppen? Überflüssig. Autos? Gut für Lahme, Schwache, Kranke. Allzu leicht steigt mein ein, gedankenverloren, und zack! ist man am Ziel. Leute, hütet Euch vor Autos! Sie machen dick, schlaff und hässlich. Man sieht nicht die Feinheiten der Landschaft und riecht nicht die Aromen der Welt. Kennt Ihr diesen Duft im Sommer, wenn nach einem heissen Tag Regen auf Asphalt fällt? Mein Lieblingsduft! Kriegt man im Auto nichts von mit. Fahrt lieber Fahrrad. Oder zeugt ein Kind und tragt es durch die Gegend. Kind und Rücken sagen Dankeschön.





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