Sonntag, 25. August 2019

Deutsche Wasser (51): Alster





HH said the clown 


Von der Krugkoppel stieg 

ich entblättert zu den Schwänen


Es schmeckte schwach

nach gelben Zähnen


Ein Kaleu im Optimist

(optisch Alexander Hold) 

machte „Dududu“


Ich hörte zu & schwamm & schwieg 

bis zum Jungfernstieg







Freitag, 23. August 2019

Deutsche Wasser (50): Ems




Eine Woche vor meinem 16. Geburtstag spielte „KIX“ im Jugendzentrum Papenburg. Unsere Band hieß so, weil Trompeter Lars den großen Miles Davis verehrte, und der schrieb ein Stück eben dieses Namens. 

Als Zugabe erklomm ich eine Bierkiste und intonierte auf meinem verbeulten Altsaxophon die deutsche Nationalhymne. 

Angereist waren wir im babyblauen Opel Kadett unseres Schlagzeugers, und als Gage gab es gute DM 400,-. Einen Hunni für jeden von uns, auch für das Nesthäkchen - mein erstes selbstverdientes Geld. 

Bei der Rückfahrt am nächsten Tag ging der Kadett kaputt; wir blieben auf einer Landstraße liegen, irgendwo zwischen Ems und Jeddeloh eins. 

Es war Sonntag, Handys waren noch nicht erfunden, und wie die Suche nach einer Werkstatt vonstatten ging, habe ich vergessen. 

An die Reparaturkosten kann ich mich allerdings erinnern. Sie betrugen genau DM 400,-





Mittwoch, 21. August 2019

Deutsche Wasser (49): Altmühl




Im Traum crowdsurfte ich die Altmühl entlang. Tausende helfende Hände säumten die Ufer, und auf einer Insel erblickte ich Udo Lindenberg, der seine Unterhosen ordnete. 

Ich glitt mit Schrittgeschwindigkeit über die Köpfe dahin, in der Ferne folgte ein Elefant, Staatsgeschenk des Schahs von Persien. 

Eine Herdplatte lief noch, darauf ein Nudelsieb, das zügig schmolz. Der weiße Kunststoff tropfte vom Herd und ergoss sich zischend in die Altmühl. 

Die Helfer gerieten in Panik, stieben in alle Richtungen davon. Der Elefant begann zu fliegen, Udo rückte raunend seine Sonnenbrille zurecht. 

Montag, 19. August 2019

Deutsche Wasser (48): Chiemsee



In Ramersdorf stellen wir uns an die Autobahn und halten die Daumen hoch. Ich bin 17, meine Freundin 18, wir schreiben das große George-Orwell-Jahr. Ein weißer Golf GTI hält, verziert mit Rallyestreifen. Am Steuer sitzt ein kükengelber Wischmopp über rotem Dunsen. Durch geränderte Äuglein blinzelt die Erschöpfung einer lumumbalangen Nacht - und des anschließenden Tages, der gerade zu Ende geht. 

„Wo wollt ihr hin?" 

„Italien!" 

„Wo in Italien?"

„Egal!"

„Einsteigen!" 

Und mehr sagt er nicht. Aus den waschtrommelgroßen Boxen ertönt „Spaghetti Carbonara" von Spliff. „Pico-Pico" hört man da gesprochen, ganz hinten im Playback, und ich weiß bis heute nicht, warum. Der Wischmopp drückt aufs Gaspedal, Holzkirchen fliegt vorbei. 180 Sachen. Sein großer Onkel hat einen Tatterich und sorgt für unruhiges Fahrgefühl. Ruckediguh. Wir krallen uns fest, erbleichen. Die Troddeln an den Slippern des Mopps wippen spliffisch. Pico-Pico. 

Bayern wird immer bayerischer, der Fahrer fahriger. 

Ein großes Wasser schwappt direkt an die Autobahn. Ich versuche einen Small-Talk einzuleiten, auch mit dem Hintergedanken, ihn im übernächsten Schritt um eine gemächlichere Fahrweise zu bitten. 

„Ist das der Schiemsee?"

Er dreht die Musik leiser.

„Es heißt Chiemsee. Man sagt ja auch nicht Schina.

Und dann dreht er die Musik wieder laut, so laut, dass Brezenkrümeln und tote Fliegen auf den Boxen hüpfen. Bald sausen wir durch den Tauerntunnel, und im letzten Dämmerlicht steigen wir aus. 

Pico-Pico. Und ich weiß bis heute nicht, warum.


Samstag, 17. August 2019

Deutsche Wasser (47): Dümmer



Eines Tages erhob am Dümmer ein Flusskrebs seinen kantigen Kopf und schälte sich selbst aus der Schale.

„Was machst du da?" fragten, die Schuppen runzelnd, Zander, Barsche und Aale.

Der Krebs sprach unter Anlockgebärden: „Ich will ein Striptease-Tänzer werden!"

Die Fische verlachten ihn fiese.

Der Krebs jedoch wollt’ unbeirrt nach St. Pauli. 

„Mit meinen Kneifzangen tease und tanze ich auf dem Table und zwinker wie der junge Clark Gable für Touris und Trinker!"


Als auf der Reeperbahn angekommen, wollten die Etablissements ihn mitnichten, argumentierten mit Äußerlichkeiten. 

Er musst‘ auf die Tänzerkarriere verzichten, schnibbelte mit seinen Scheren im „Zwick" Gemüse, um seinen Unterhalt zu bestreiten.

Er wohnte in einem Souterrain-Zimmer, mit feuchten Wänden (zum Glück). 

Sie nannten ihn „den mit den Scherenhänden" und, auf seine Herkunft gemünzt, „dumm & dümmer".

Im Kollegenkreis wurde gestreut, dass er roch.

Doch bald bewies er Spezialkompetenz im Umgang mit Krustentieren, schulte um, wurde Koch, kreierte seine berühmten „Krabben mit Käse", übernahm den Laden, zog nach Blankenese und machte dabei eher wenig Gewese. 

Schließlich verwirklichte er seinen Traum und tanzte im eigenen Club an der Stange, umschmeichelt von Ibiza-Seifenschaum.


Er traf ein Go-Go-Girl namens Anne und lebte mit ihr in wilder Ehe. 

Dann stolperte er bei der Arbeit und landete selbst in der Pfanne, just an dem Tag, als sein Buch erschien: „Mein Wille geschehe - vom Flusskrebs im Manne"

Mit Knoblauch und Pasta musste er sieden - 


Penne in Frieden.









Sonntag, 4. August 2019

Hüttenglück

Frische Hüttenbilder. Durchwachsenes Wetter, was die Chance auf überraschende Lichtblicke deutlich erhöht. Die Feuchtigkeit wirkt sich auch auf die Möglichkeit, netten Lurchen zu begegnen, positiv aus.
Wenn‘s gar zu stark regnet, wird musiziert. Teresa konzertiert demnächst in Mondsee, und vielleicht schaffe ich es, mir die „obligate Flöte“ in Bachs Arie „Seele, deine Spezereien“ draufzuschaffen, um mit ihr üben zu können.


Wetterunabhängig: Der fabelhafte Nachtblick hinab auf Kaltenbach im Zillertal. 

Heute war das Wetter besser. Mit Besucher Bene aus Minden kraxelte ich früh morgens auf den Manskopf. Der Almbetrieb findet nun oben am Kamm statt. Man wünscht sich, hier Kuh zu sein - wenn überhaupt Hörnerträger. Sicher lästig, wenn man gerne Hüte aufsetzt.

Eine Kuh fanden wir besonders herzig:

Mit der Sonne kehrten auch die Schmetterlinge zurück.  Könnte ein Wegerich-Scheckenfalter sein. Vielleicht aber auch ein Magerrasen-Perlmutterfalter. Wer weiß sowas schon genau...



Deutsche Sprichwörter, die sich nicht durchsetzen konnten (3)

„Muss I denn" ist aller Laster Nummernschildmusik Trau, Schein, schäm Schlag ein Ei drüber und mach die Wanne weiß Große None, be...

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