Montag, 11. Februar 2019

Per Tretroller zum Traualtar



Dies ist ein offizielles Hochzeitsfoto der Bonings. Unsere Hochzeit war nicht zuletzt deshalb witzig, weil ich ja qua Ehe zum Bayer wurde (so sieht es jedenfalls die bayerische Verfassung). Und als ich meine Frau fragte, was ich bei der Heirat anziehen sollte, war ihre Antwort klar: eine Lederhose. Und als folgsamer Bräutigam ziehe ich an, was meine Frau sich an mir wünscht. Ganz nebenbei habe ich eine Lederhose auch deshalb gerne im Kleiderschrank, weil man in ihr hervorragend radeln kann.
Apropos. Ein Meilenstein auf unserem Weg zum Traualtar war unsere gemeinsame Alpenüberquerung im Sommer 2017, sie per Bergrad, ich auf dem Tretroller. 
Immer wieder hatte sie meinen mannigfaltigen Schilderungen vergangener Großfahrten gelauscht und rief eines Tages: „Das will ich auch!" Training? Wurde nach kurzer Testfahrt zum Tegernsee für überflüssig erklärt. Dies ist eine der angenehmsten Charaktereigenschaften meiner geliebten Frau: Ihre unerschrockene Abenteuerlust. Sie kann grundsätzlich ersteinmal alles - bis das Gegenteil bewiesen ist (bisher nicht passiert).

Wie wenig Erfahrung Teresa mit langen Radtouren hatte, äußerte sich nicht zuletzt daran, dass sie beim Start die von mir überreichten Radhandschuhe falsch herum anlegte, mit der Handinnenfläche nach außen. Erst schmunzelte ich, dann wurde mir etwas bang. Kann sowas gut gehen? Was, wenn nicht?

Die Verläufe der einzelnen Etappen sind ja weiter vorne in diesem Blog ausführlich beschrieben. Gestern fand ich einen unveröffentlichten Nachtrag mit folgendem Text:
„Unsere Strecke war laut Routenbeschreibung 363 km lang, bei 5200 Hm bergauf und 5850 Hm bergab. Da wir uns bereits ganz zu Beginn die Auffahrt zum Hochthörle gespart haben und auch später oftmals die Fahrstrasse den Trails vorgezogen haben, dürften kaum 5000 Hm erreicht worden sein. Auf eine Aufzeichnung per Navi haben wir verzichtet, um die Akkus unserer Handys zu schonen- einen Ersatzakku wollten wir nicht mitnehmen. Überhaupt sind wir beim Gepäck ausgesprochen minimalistisch vorgegangen: Neben der Sportkluft am Leib hatten wir lediglich je eine Regenjacke, Armlinge und ein Paar Knielinge dabei (ich, der drei Viertel des Jahres in kurzen Hosen herumrennt, braucht keine), außerdem je eine Freizeitkleidung für abends: für Teresa ein besonders leichtes Kleid, für mich Shorts und ein kurzärmliges Hemd. Dreingabe: Badezeug, Kulturbeutel, Bufftücher."

Neben den schweißtreibenden Auffahrten hat Teresa vor allem die Tunnels als herausfordernd in Erinnerung. Ich wiederum entsinne mich mit besonders zartem Grausen unserer Versuche, diverse Auffahrt abzukürzen, etwa jene zum Gampenpass, die uns ausnahmslos auf (unserem gemeinsamen Leistungsniveau) unangemessene Schiebestrecken führte. Andererseits eröffneten mir diese Verirrungen immer wieder die Gelegenheit, mich als Kavalier zu präsentieren, indem ich nicht nur mein, sondern auch ihr Gefährt schob:

Am Gampenpass erwartete uns oben, gleichsam als Klimax des partnerschaftlichen Heroismus, der höchste Punkt unserer Reise. 

Auf der fünften Tagesetappe erreichten wir schließlich unsere letzte Passhöhe, den Passo del Balino; ab dort gings nur noch bergab zum Gardasee, an dessen Ufer wir am Abend den Sonnenuntergang bestaunten.

Wir selber hatten den Eindruck, eine sehr brauchbare Reisemethode für sportlich ungleich trainierte Paare gefunden zu haben. Aus dem Bekanntenkreis weiß ich nämlich, dass unterschiedliche Leistungsniveaus viele Paare abschrecken, gemeinsam loszulegen: Dem einen geht‘s zu schnell, der andere fühlt sich unterfordert. Die Tretroller/MTB-Variante löst das Problem. Und wenn der/die Radler(in) schwächelt, kann der Trottinettist mit der rechten Hand am Hinterteil anschieben, falls nötig und erwünscht.
Unsere Reise verlief jedenfalls in harmonischer Eintracht; ein solches gemeinsames Abenteuer schweißt zusammen, und ein Jahr später durften wir Theodor begrüssen:

Bin mal gespannt, wann wir das erste Mal zu dritt auf große Urlaubsfahrt gehen. Wir liebäugeln bereits mit einer Unternehmung im kommenden Sommer. Sicher mit kinderfreundlich-kürzeren Tagesetappen - das ist aber auch alles, was zur Stunde feststeht. 




Kommentare:

  1. Alles Gute zur Hochzeit und stets eine Handbreit Platz unterm Trittbrett. Vg Daniel

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  2. Alles Liebe zur Hochzeit ❤
    Ein toller Beitrag ��
    Theodor ist ja auch zuckersüß.

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