Donnerstag, 7. Februar 2019

24 Stunden Schwimmen

Wenn doch meine sportlichen Helden vornehmlich Schwimmer sind, sollte ich es nicht eventuell auch einmal mit H2O ausprobieren? Ski Heuler Carsten Schneehage sah es ähnlich: Beide hatten wir allerhand Erfahrung mit 24-Stunden-Sportveranstaltungen in unterschiedlichen Disziplinen, aber Schwimmen fehlte auch in seinem Erfahrungsschatz. Da lasen wir von einem 24-Stunden-Schwimmen im Hallenbad in Haar bei München im Januar 2014 und waren sofort Feuer und Flamme (passt gut zu Wasser).
Haar ist in München nicht zuletzt als Standort eines großen psychiatrischen Krankenhauses bekannt, das sich unweit des Hallenbades befindet. Passt doch; auf gehts!
Problem: Carsten und ich sind eher mäßige Schwimmer, und Schwimmtraining so gar nicht unser Ding. Im Hallenbad kann es sein, dass ich bereits nach 5 min auf die Uhr gucke, äußerste Ödnis verspüre und heim will. 24 h im Hallenbad, so mutmaßten wir: Das dürfte die Hölle auf Erden sein. Wir versprachen uns mit Handschlag, vor der Veranstaltung nicht ein einziges Mal üben zu gehen. Sprung ins kalte Wasser quasi. 

Ein 25-Meter-Becken, runde 100 Teilnehmer. 5 Bahnen, ganz rechts: Die „Kinder-und Seniorenbahn". Unsere! Carsten wuchtet einen Umzugskarton mit Riegeln an den Beckenrand, Badekappe auf, und Schlag 12 gehts los. An Tapetentischen sitzen Helfer und machen Striche auf Listen. Ich schwimme immer abwechselnd eine Bahn Brust, eine Kraul, fifty-fifty. Nur nicht hudeln, gerade als Brustschwimmer ist Überholen stressig. Im Zweifel einfach einreihen und schön artig im Gänsemarsch hin und her. 
Alle zwei Stunden Pause. Nein, die Hölle ist das hier nicht. Auf der ganz linken Bahn sind die krassen Cracks unterwegs, bei uns herrscht eher betuliche Kindergeburtstagsatmosphäre. Auch ein recht betagter Schwabe ist unterwegs, der kaum je das Becken verlässt. „Ich habe bezahlt und zieh das durch" schmunzelt er.
Am späten Abend leert sich das Becken, viele legen sich ein paar Stündchen aufs Ohr, und ich genieße den Freiraum, der sich auftut. Farbspiele unter Wasser und Rockmusik aus dem Lautsprecher. Eine mehrstündige Phase guter Laune weicht irgendwann einer Reizung der Lunge durch Chlor. Immer, wenn ich Wasser schlucke, muss ich husten. Und ich schlucke viel! So wie mir geht es allen, und mancheiner muss abbrechen. Grosse Fenster werden geöffnet. Die Luftqualität steigt, aber dafür wird es empfindlich kalt. 


Durchgefroren stelle ich mich unter die heisse Dusche. Das fühlt sich herrlich an, aber der anschließende Gang ins Becken ist umso unangenehmer. Erstmal eine Gulaschsuppe mit Carsten, dann sehen wir weiter.

Ich schwimme durch bis zum Vormittag, 1120 Bahnen hin und her - das sind 28 km. Dann habe ich keine Lust mehr. Immerhin reicht dies für einen Platz unter den Top 10 bei diesem Wettbewerb - eines meiner besten Resultate ever.
Carsten überredet mich, mir zum Frühstück ein Weizenbier zu gönnen. Das ist sehr lustig, weil ich auf der Stelle so betrunken bin, dass ich mich auf dem Heimweg zur S-Bahn (100 m, schnurgeradeaus) sogar verlaufe. Und als ich in der S-Bahn sitze, schlafe ich umgehend ein und wache erst an der Endhaltestelle wieder auf. 


Der rote Punkt an meiner Schulter kommt übrigens vom Kraulen. Ich war nämlich schlecht rasiert, und mein Kinn schubberte dort entlang, auf jeder zweiten Bahn. Steter Stoppel höhlt die Haut, wie man so schön sagt. 

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