Dienstag, 5. März 2019

AKK



Wie sagte Harald Juhnke? „Ich mag Silvester nicht. Da saufen auch die Anfänger!" So ähnlich ist es beim Karneval: Auch jene steigen da in die Bütt, die ansonsten eher im ernsten Fach zuhause sind - etwa im CDU-Parteivorstand. Witzemachen, so denken die Laien, heißt Austeilen. Verspottet werden wahlweise Blondinen, Österreicher, Klein-Erna, Ossis, egal. Im Grunde eignet sich jede Gruppe, die im lachwilligen Auditorium eher spärlich vertreten ist, weil ja sonst eine Limitierung des Lacherfolges zu vermuten ist. In Deutschland ist Selbstironie weiterhin ein rares Gut; selten nur hört man zB Bindestrich-Namensträgerinnen, die sich über ihren eigenen Namen ausbreiten. Dies hat mit geschichtlich gewachsenen Humor-Traditionen zu tun. Anders als in England, dessen von hierarchischen Spannungen geschüttelte Gesellschaft bereits früh ein Ventil brauchte, um diese zu lösen, gab es für den Humor bei uns lange keine entsprechende Notwendigkeit: Der Kaiser stand über allem; wer über „die da oben" witzelte, riskierte Gefängnis. So lässt sich (ich verkürze mal radikal) die mangelnde Bildung der Deutschen in Sachen Humor erklären. 

Und nu‘ kommt AKK (oder, wahrscheinlich: ihr Witzeredenschreiber) und überlegt nicht, wie sich das methodologische Arsenal erweitern lässt, sondern über wen man denn innovativ witzeln könnte. Und kommt auf die „Latte Macchiato-Fraktion", die an einem Ort namens Berlin, so AKK, überall Toiletten aufstellen will, für jene Männer, „die nicht wissen, ob sie beim Pinkeln noch stehen dürfen oder schon sitzen müssen". Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man theoretisch alles verspotten darf, weil, wie schon Herbert Feuerstein Anfang der 90er erklärte, (sinngemäß) „das Recht, verspottet zu werden, ein Menschenrecht ist". Also darf man auch Witze über Behinderte, Transsexuelle und Juden machen. Dürfen darf man, klar, sofern keine Gesetze verletzt werden und der Gag ankommt. Man fragt sich allerdings, ob’s schlau ist und welches Menschenbild die Spottdrossel zum Ausdruck bringt. Wie sagte Hugo Egon einst? „Für einen guten Gag würde ich meine Oma verkaufen". Mit Betonung auf „meine". Es macht einen Unterschied, ob ich mich und die meinen, meine Schwächen und Gebrechen ins humoristische Getümmel stürze, oder eben irgendwelche Latte-Macchiato-Trinker (gibt es die nur in Berlin? Heieiei, irgendwie verstehe ich den Witz gar nicht so richtig). 

Skandalös ist der Vorgang nicht wirklich, eher alltäglich. AKK präsentiert sich als ganz normale Deutsche mit traditionellem Humorverständnis - und just das ist ja auch ihre große Chance. Merkel wäre derlei nie passiert. 

Da ich aber in meinem ganzen Leben eh noch nie CDU gewählt habe, wird sich für mich durch diesen „Witz" nicht viel ändern. Überprüfen werde ich hingegen meinen Getränkekonsum: Bisher bevorzuge ich Filterkaffee, aber AKK veranlasst mich, es durchaus einmal mit Latte Macchiato zu probieren.

Und dieses „Berlin" sollte ich mir irgendwann auch mal anschauen. 

Kommentare:

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  2. Als Bindestricherin (ob zu früher Verehelichung) und Latte-Fan (zwar primär Teetrinkerin, Kaffee wenn gut gerne schwarz, unterwegs aber desöfteren halt gestreift) kann ich der aktuellen gender+divers-Diskussion zwar nicht viel abgewinnen (und klotechnisch hab ich schon immer gerne unisexistisch bei Notstand - vor Marathonstart oder auf Kirmes - die Schlangen meidend zum Männerklo gegriffen), aber den Witz fand ich nicht witzig sondern voll einen Griff ins Klo, schon beim ersten Hören, wo grad erst die Wogen hochgingen. „Das hat die jetzt nicht wirklich gesagt?“ war die erste Reaktion.
    Beim zweiten Drübernachdenken - mehr lohnt eigentlich die zu kurze Lebenszeit (meine und die Halbwertszeit von Witzen) gar nicht, passt die Schote einfach zu nahtlos ins Weltbild der MissHomophobia2018 https://www.welt.de/politik/deutschland/article185729090/Kramp-Karrenbauer-zur-Miss-Homophobia-2018-gewaehlt.html , um ausgelassen zu werden.
    Besser einen Freund verloren, als einen guten Witz ausgelassen.
    Daß ich weder CDU-affin bin noch der joke gut war, is dann auch egal.

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  3. Ja, man darf solche Witze machen. Und man darf sie auch kritisieren.
    Mich stört vor allem, dass er so dummbatzig ist. Genau wie der Witz von Bernd Stelter. Da tut sich weder der professionelle Witzemacher, noch der professionelle Witzeschreiber als besonders witzig hervor. Alles auf dem Niveau á la “Calli ist dick“, “Juhnke ist alkoholkrank“ ....
    Das ist stumpf, das kann jeder, das hat die Oma halt nicht verdient!

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