Donnerstag, 9. Mai 2019

Deutsche Flüsse (27): Ilm



Es war einmal ein Junge,

der mit aufgeblähter Lunge 

einer alten Trombe Töne

abzuringen suchte. 

Die Trombe wollte nicht,

der Junge fluchte, 

trat gar auf das Instrument.

Da tauchte ein geheimer Rat,

bekleidet nur mit Badehose,

aus dem Wasserlauf im Park,

wo er gerad‘ sein Morgenbad

genossen hatte, auf.

„Guten Tag!“, sagte der Herr

und lud beide, Bube, Tube, 

in sein nahes Gartenhaus.

Goethe lötete die Tröte

und zeigte dem Willigen,

wie man einen chilligen

Herb-Alpert-Sound ner 

billigen Blechtute entlockt.

Der Junge war perplex,

wie so‘ne Trombe rockt,

wenn man weiß, wie‘s geht

(heute wäre dies undenkbar:

Alter Mann ohne Klamotten

lockt ein fremdes Kind zum tuten - 

klingt nach keinem guten, 

sondern einem grotten-

schlechten Film).

Und das Haus, in dem 

die beiden bliesen, 

steht noch heute, 

zwischen Wald 

und Wiesen:

an der Ilm


Dienstag, 7. Mai 2019

Deutsche Flüsse (26): Würm



Ein Dieb klaute Zwirn,

und um zu türm‘

sprang er in die Würm.

Mangels Hirn

begann sich der Zwirn

am Gewürm zu verwirrn,

das man am Grunde der Würm

nicht aufm Schirm

hat, wenn man nicht firm

ist. Nebenan war ne Kirm-

es; „Könnt ihr mich hörn?“

schrie der Dieb; ein paar Görn,

einer hiess Jörn, 

aßen gerad’ Möhrn

und hörten weg.

„Ich könnt mich empörn!“

hört’ man den Halunken röhrn.

Dann begann es zu stürm‘;

er ertrank in der Würm.

So kann man sich irrn.

Und sein letztes Wort war:

„Himmelarsch...“

Freitag, 3. Mai 2019

Deutsche Flüsse (25): Werra




In der Werra sah ich einst 

ein halbes Schwein flussabwärts treiben 

Mein Grenzschutz-Vorgesetzter sprach: 

"Was meinst? Sollen wir's uns einverleiben?"

Ich nickte stumm und zog mich aus

und holte's aus der Brühe raus

die, aufgrund der Kaligruben,

sehr salzig war. Auf einem Karren schuben

wir das schweinische Volkseigentum

zum Hauptquartier, würzten mit Rum

(Salz war schon dran), dann rief ich: Essen fasse!

Und wegen dieser Tat wurde ich:

 "Held der Arbeiterklasse"



...ein Gedicht, mit dem man eventuell besonders auf Lesungen im Osten punkten kann. On werra. 

Donnerstag, 2. Mai 2019

Deutsche Flüsse (24): Lech



Im Traum sah ich Füssen von oben

Dschunken versunken am Ufer des Lech

Wiesenwitwen zuppeln im Wind

Die Jalousien waren herabgelassen wie 

Unterhosen bei der Musterung

Propellergeräusch

Den Forggensee gab es noch nicht.

Ein Landmann auf einem Porschetraktor

schlich über die Via Claudia. Als er mich 

sah, hupte er Sturm. Sound wie bei den

„Waltons“. Die Ruine des Römerbades

Propellergeräusch

war mit Krautschupfnudelkonserven gefüllt.

Ein Lausbub in Lederhosen mischte das 

Blatt seines Panzerquartetts. Ich biss ins Gurkensandwich, drückte auf den Auslöser

und riss am Steuerknüppel meiner Lancaster




Dienstag, 30. April 2019

Deutsche Flüsse (23): Aller




Aller 

guten Dinge sind

Knaller

am Allerwertesten


In aller Freundschaft

faucht Pofalla

Pall Mall

Fiderallalla


Dr. Dralle beisst

in die Gartenkralle?

Nein. 

„Wietze Fuhse Wölpe“

Lachte Ise. 

Er bestellt Leipziger 

Allerlei und warmen 

Waller im Sud


Winsen Sie 

was? Jupp Derwall

fährt im Celler Loch

mit einer Kalaschnikow

Motorrad 

Milch macht

müden Hodenhagen, 

ich schaller dir eine! 


Aller, was geht?

Pigalle, Pigalle

mitten in Verden

Gürtelschnalle

Gift und Galle

Taj Mahal 

That‘s all. 

Oker?

Deutsche Flüsse (22): Neger



Die Neger, so lese ich morgens im Hotelbett, entspringt im Rothaargebirge. Sie durchfließt das Negertal, dessen Abschluss man sich als „Kar“ vorstellen dürfe, was bei mir sogleich alpine Assoziationen auslöst. Ich sehe einen reißenden Gebirgsbach zwischen Altschneefeldern gurgeln, unter Geiern, und dicke Murmeltiere pfeifen Alarm. Gespeist wird die Neger von der Namenlosen, die bisweilen auch „Namenlofe“ genannt wird. Mal abgesehen davon, dass eine Namenlose ja schlecht zwei Namen haben kann, vermute ich hier einen lispenden Anwohner als Ursache des Konsonantentauschs. Weitere Zuflüsse heissen „Fauleborn“ und Faules Siepen“, was natürlich irgendwie rotgrün versifft klingt, oder im Gegenteil rassistischen Vorurteilen folgend, oder, ganz anders, mit Faulgasen im Bachlauf zu tun haben könnte. Jedenfalls ist da irgendwas faul. Nach 17,7 km entwässert die Neger in die Ruhr, ja, so sagt man in der Hydrologie. Als Laie denke ich bei „Entwässern“ zuerst an Kaffee, Bier oder Spargelsaft, den aber die Neger gewiss nicht führt, sondern vielmehr klares Wasser von den Hängen des Klapperberges und anderer rothaariger Riesen. 

Bei der weiteren Bettrecherche stoße ich auf das bemannte Torpedofahrzeug der deutschen Kriegsmarine gleichen Namens. Der geht auf den Marinebaurat Richard Mohr zurück, den geistigen Vater dieser Waffe. Entwickelt wurde der Torpedo mit Cockpit, an dessen Unterseite ein zweiter Torpedo befestigt wurde, der über kein Cockpit, dafür aber reichlich Sprengkraft verfügte, ab 1943 in der Torpedoversuchsanstalt Eckernförde. Wichtigster Konstruktionsmangel: Der „Neger“ konnte nicht tauchen, die etwa 200 Einsätze wurden daher überwiegend nachts durchgeführt. 80 Prozent der Besatzungen kamen ums Leben. 

Weitere Kleinkampfmittel der deutschen Marine hießen: K-Projekt, Molch, Hecht, Biber, Delphin, Manta, Tarpon, Grundhai, 27, 34, 27 F, 27 G und 32

- letztere waren sozusagen Namenlose. 

Murmeltier und Geier blieben anderen Waffengattungen vorbehalten.

Auf zum Frühstück. 

Montag, 29. April 2019

Deutsche Flüsse (21): Dhünn



Zum Frühstücksei verspürte ich Appetit auf eine temporäre Nebenbeschäftigung als rheinischer Heimatdichter. 
Kölsche Mundart, oha. 
Seit Wochen hänge ich in der Domstadt herum, höre den Leuten zu - da kann es schon mal zu merkwürdigen Gelüsten kommen, so wie Schwangere sich ja auch bisweilen nach Senfgurken mit Sahnehaube sehnen, gell?
Beim Schreiben tauchten allerdings diverse Sprachfragen auf, die ich, so lautete bald der Beschluss, von einer autochthonen Fachfrau klären lassen wollte, nämlich meinem langjährigen Bodyguard Kathrin Linden. 
Zunächst der Text, wie ich ihn ihr nach seiner Fertigstellung whattsappte: 


De Dhünn ist nicht dick
De Dhünn ist kein Tünnes
Braun fließt de Dhünn
mit einem Schuss Grün

De Dhünn schunkelt munter
Vom Bergischen runter
De Dhünn wird nicht bunter
Im Gegenteil. Guiness-

farben mündet sie in die Wupper
Dünnflüssig braun. Tupper-
warentürkis ist sie oben. Man hat 
de Dhünn‘n Riegel vorgeschoben

Am Staudamm steht ein Tünnes
Ein dicker Tünnes und pupt.
Neben ihm hampelt ein 
Spatz, der piept. 

De Dhünntalsperre ist voll
De dicke Tünnes ist auch voll.
Tünnes und Spatz 
piepen und pupen harmonisch

De dicke Tünnes sagt:
„In Kölle, da wohn isch"
De Spatz fliegt nach oben
De Dhünn fliesst nach unten

Richtung Leverkusen
De Tünnes isst eine Pampelmuse
Sie scheint ihm zu munden
Der Saft tropft in de Dhünn

De Dhünn wird verdünnt.
Der Spatz ist weg
De Tünnes geht zum Bus. 
Schluss.


Voilà. Kathrin ging sogleich an die Arbeit, und nach einem Viertelstündchen durfte ich mich über die folgende Übersetzung freuen:


De Dhünn is nit dick
De Dhünn ist keine Tünnes
Braun fleeß de Dhünn
mit einem Schoss Jrön

De Dhünn schunkelt munter
Vom Bergischen erunter (eig. eraf)
De Dhünn weed nit bunter
Im Gegenteil. Guiness-

farben mündet se in de Wupper
Dünnflüssig brung. Tupper-
warentürkis is se bovven. Man hätt 
de Dhünn‘n Riegel vorjeschoben

Am Staudamm steht en Tünnes
Ne dicke Tünnes und pupt (wenns pupsen heissen soll dann is et futze oder möffe).
Neben ihm hampelt en 
Spatz, der piept. 

De Dhünntalsperre ist voll
De dicke Tünnes ist och voll.
Tünnes und Spatz 
piepe und pupen harmonisch

De dicke Tünnes säht:
„In Kölle, da wohn isch"
De Spatz fliegt noh bovven
De Dhünn fliesst noh unge

Richtung Leverkusen
De Tünnes isst ne Pampelmuse
Se scheint ihm zu munden (schmecke?!)
Dä Saff tropft in de Dhünn (dä Saff is in de Dhünn am droppe?!)

De Dhünn weed verdünnt.
De Spatz ist fott
De Tünnes geht zum Bus. 
Schluss.


Was soll ich sagen? Et hat noch immer johtjejange! 
Welch wunderbarer Wohlklang quillt aus diesen weichen Zeilen! 
Herzlichen Dank, liebe Kathrin. 


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